Otto Kneitinger übergibt sein Judo-Werk

Nachfolger übernehmen

Macher der Abensberger Erfolge tritt ab. „Ohne Mitstreiter hätte ich nichts erreicht.“ Erstliga-Rückkehr war letzte Mission. Von Martin Rutrecht

Die Anekdote erzählt er gern: Als Otto Kneitinger in jungen Jahren beim Abensberger Judo-Begründer Kurt Hinz im Training auftauchte, wollte der vom Wirtshaus-Sohn nichts wissen. „Du vaziagst mia die Leit“, wies er ihm die Tür. Nach beharrlichen Anläufen nahm ihn Hinz doch auf. „Später waren wir ein Herz und eine Seele“, erinnert sich Kneitinger, der abseits der Matte auch organisatorische Arbeiten übernahm. Vor genau 30 Jahren wurde er Abteilungsleiter. Seitdem hat der TSV Abensberg 20  deutsche Bundesliga-Titel und sieben Europacup-Siege gesammelt, von ruhmreichen internationalen Auftritten seiner Athleten (Olympiasieg von Ole Bischof) ganz zu schweigen.

Vier Jahrzehnte nach dem Bundesliga-Aufstieg 1976 geht die Ära Otto Kneitinger zu Ende. „Es war definitiv mein letztes Jahr“, sagt er. „Ich habe vor diesem Tag immer Angst gehabt, aber wenn ich die aktuellen Trainer und die Vorstandschaft sehe, ist mir keine Sekunde bange. Die Arbeit wird von tollen Leuten weitergeführt.“ Die Verantwortung tragen nun Chefcoach Jürgen Öchsner, U18-Landestrainer Radu Ivan sowie Teammanager Fabian Seidlmeier, im Hintergrund unterstützt von Stefan Kneitinger. „Ich kann mich beruhigt zurücklehnen.“

Frust und Freude in Rio

Die Rückkehr in die erste Liga war nach dem freiwilligen Rückzug zu Beginn 2015 – um die Rio-Kandidaten frei zu stellen – die letzte Mission unter den Fittichen des Ehrenabteilungsleiters. Nicht einen Kampf verloren die Abensberger auf ihrem Weg zurück über Regional- und zweite Liga. In 2017 ist der TSV wieder erstklassig. Dass der Europacup heuer im Abstieg endete, „war kaum zu vermeiden angesichts der vielen Ausfälle“.

Die Olympia-Starter Sebastian Seidl aus Pförring sowie Sven Maresch, Marc Odenthal und André Breitbarth vertraten den TSV bei den Olympischen Spielen in Rio. Am Ende war der Frust groß. Keiner konnte sich auch nur in die Nähe des Podests kämpfen. Mit dem Tschechen Lukas Krpalek gewann aber ein Abensberger Legionär Olympia-Gold. US-Boy Travis Stevens holte sich eine Silbermedaille am Zuckerhut.

In seinen Abschiedstagen blickt Kneitinger vor allem auf die Jugend. „Wir wurden heuer mit U12 und U15 Bayerischer Meister, die U18 feierte den süddeutschen Titel. Unser Leistungsinternat mit Hunderten Kindern ist bestens aufgestellt.“ Nach Gesprächen beim Bayerischen Verband wurde der Status als Stützpunkt in der Vorwoche auf weitere vier Jahre festgeschrieben.

Zentralisierung gefährdet die Klubs

Tatsächlich wurden gerade in 2016 Früchte der Arbeit sichtbar. Der Biburger Manuel Scheibel kämpfte sich zum U23-Vizeeuropameister-Titel, er und Philip Graf sind deutsche Vizemeister, Raffaela Igl gewann bei der U21-DM Bronze. „Die Anstrengungen, die wir heute unternehmen, garantieren uns mindestens in den nächsten zehn Jahren starke Judoka.“ Einen Pferdefuß sieht der 62-Jährige in der von oben diktierten Zentralisierung. „Wenn man die jungen, talentierten Athleten mit 17, 18 Jahren nach München zieht – wer soll dann das Vereinsteam vor Ort bilden? Man darf die Basis der Klubs nicht untergraben.“ Die erfolgreiche Arbeit sei nicht „mein“ Verdienst, betont Kneitinger. „Ich habe vier Generationen an Sportlern erlebt, genauso wichtig waren die vier Generationen an Eltern und andere Mitarbeiter, die sich stets für den TSV eingesetzt haben. Jedes Wochenende unterwegs sein, Kuchen backen oder die Halle putzen – dieses Engagement ist das Allerwichtigste.“ Diese Bereitschaft spüre er auch in der neuen Abteilungsmannschaft.

Er selbst sei nach vier Jahrzehnten „etwas ausgebrannt und leer. Die Judo-Arbeit hat mir einige schlaflose Nächte bereitet. Du musst dich um alles kümmern, Sportler, Trainer oder auch die Finanzen. Wir hatten keine Sekunde Schulden.“ Das Schönste seien freilich die Erfolge, „bis dahin ist es aber richtig Arbeit“.

Selbstverständlich werde er den Judoka weiter helfend zur Seite stehen. „Sonst halte ich mich aber zurück. Ich war täglich in der Judo-Halle, das ist vorbei.“ Die große Freizeit wird nicht ausbrechen, beruflich bleibt der Hotelier eingespannt. „Eigentlich wollte ich mich immer mehr der Familie widmen. Aber meine drei Söhne sind jetzt längst erwachsen. Ich werde mal meine Frau fragen, ob sie mehr Zeit mit mir verbringen möchte“, schmunzelt Mister Judo Otto Kneitinger.

Kategorien: News

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