Judo-Superstar schuftet für seine Liebe

Ein Interview von Martin Rutrecht, Mittelbayerische Zeitung

Der Olympiasieger Ilias Iliadis bereitet sich beim TSV Abensberg auf den Europacup vor. „Ich habe den Verein vermisst.“

Er könnte es angenehmer haben. Ilias Iliadis lebt in Thessaloniki, hat dort gute Trainingsbedingungen und müsste nicht ins derzeit ziemlich graue Bayern reisen. „Aber ich wollte zu meinem Klub. Der TSV Abensberg ist für mich immer noch wie FC Barcelona oder FC Bayern im Fußball“, sagt der Judoka aus Griechenland, der seit einer Woche bei den Babonen trainiert. Seit elf Jahren kämpft er für die Niederbayern und von seiner Motivation hat er nichts eingebüßt. Am Samstag tritt er mit dem deutschen Rekordmeister in der Judo-Golden-League in Grosny zum Konzert der acht besten Vereine Europas an. „Ich fahre dorthin, um mit Abensberg zu gewinnen“, gibt er aus.

Ilias Iliadis ist ein Judo-Phänomen, eine Legende bereits in seiner aktiven Zeit. Geboren wurde er in Georgien und hieß damals noch Dschardschi Swiadauri. Mit Beginn seiner internationalen Karriere trat der Georgier für Griechenland an, wo er teils seine Wurzeln hatte. Gerade mal 17 Jahre alt gewann Iliadis bei den Olympischen Spielen in Athen die Goldmedaille in der Klasse bis 81 kg. „Ich mache jetzt seit 15 Jahren Hochleistungssport“, sagt der heute 30-Jährige. Nach Athen bestätigte der Grieche seine Ausnahmestellung mit drei Weltmeistertiteln, drei weiteren WM-Medaillen, Grand-Slam-Siegen und Platz eins in der Weltrangliste. Und ihm gelang etwas, was nur die Größten – etwa ein Ole Bischof – schaffen: In London 2012 gewann er mit Bronze bis 90 kg seine zweite Olympiamedaille.

Soldat im griechischen Militär

Bei den Spielen heuer in Rio musste er früh die Segel streichen. „Darauf schaue ich nicht zurück. Solche Dinge liegen in der Vergangenheit, ich blicke auf die Zukunft“, sagt Iliadis. Freilich, die vielen Jahre Hochleistungsjudo hätten an seinem Körper Spuren hinterlassen. Nach Brasilien gönnte er sich wie viele andere Athleten auch eine Pause. „Aber nach zwei Wochen habe ich wieder begonnen, an der körperlichen Fitness zu arbeiten.“

 

Der Leutnant in der griechischen Armee ist für Judo freigestellt, „ich muss nur einmal in der Woche nach Athen in die Kaserne“. Die meiste übrige Zeit verbringt er auf der Matte. „Ich fühle mich in einer guten Verfassung, in Abensberg trainiere ich ein- bis zweimal täglich. Wir fahren auch zum Stützpunkt Großhadern, wo ich am Randori teilnehme“, erzählt das sympathische Kraftpaket. „Ein wenig müde bin ich nach der Schufterei. Aber am Samstag werde ich voll auf der Höhe sein.“ Der große Grieche fühlt sich auch nach über zehn Jahren im TSV dem Abensberger Verein und seinen Verantwortlichen verpflichtet. „Dieser Klub ist meine Liebe“, sagt Iliadis. Schon als junger Bursche habe er von den Erfolgen der Babonen gehört. „Für mich war es so wie für einen jungen Fußballer: Als Talent träumst du vom besten Verein und das ist für mich der TSV Abensberg.“ Immer wieder spricht der 30-Jährige von der „Big History“ dieses Vereins.

Am Samstag zählt die ruhmreiche Vergangenheit mit bisher sieben Europacup-Siegen nicht. „Ich will gewinnen. Mit dieser Einstellung gehe ich in jeden Wettkampf. Und wir werden versuchen, den Titel nach Abensberg zu holen.“ Die Konkurrenz, angefangen von Vorjahressieger Fighter Tiflis, das Abensberg im Finale bezwang, über Yawara Newa St. Petersburg oder Sporting Club de Portugal, bietet ähnlich wie die Babonen Judoka aus der Weltelite auf.

Nach Europacup eine längere Pause

Die große Unbekannte ist heuer, wie die Athleten nach den Spielen in Rio drauf sind. „Jeder hat sich nach Olympia eine Pause genommen. Jetzt ist die Frage, wie sehr man sich wieder an die volle Stärke herantasten kann und will.“ Iliadis weiß um das Abensberger Pfund: „Wir müssen über Motivation und Zusammenhalt kommen. Das hat uns schon immer stark gemacht, wir sind eine große Familie.“ Leider fehlen dem TSV Stützen wie Sebastian Seidl oder Dimitri Peters. „Klar, das ist ein Problem, aber ich befasse mich nie mit dem Negativen. Wir müssen an unsere Chance glauben.“

Kategorien: News

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