Aus dem Tiefschlaf zur Judo-WM

Der Vorbericht zur Deutschen von Martin Rutrecht/MZ

Abensberger Athlet Philip Graf hat bald den Master für Nachhaltigkeit. Nachhaltig will er auch auf der Matte durchstarten. Von Martin Rutrecht

Er schläft. Das mag verwunderlich sein zu einer Uhrzeit, wo andere schon die erste Brotzeit hinter sich haben. Aber bei Philip Graf gehört das zum Plan, zum Abnehm-Plan. „Wenn ich schlafe, spüre ich weder Hunger noch Durst. Dann kann ich leichter abnehmen“, erzählt der Judoka des TSV Abensberg. Dreieinhalb Kilogramm binnen vier Tagen muss der 25-Jährige bis zum Samstag „Gewicht machen“, wie es im Judo-Jargon heißt. Dann tritt der gebürtige Bayerwaldler bei den deutschen Meisterschaften in Duisburg an. Der nationale Titelkampf ist die erste Etappe auf einem Weg, der Graf heuer zur WM Ende August bringen soll. Der „Unvollendete“, so könnte man Grafs bisherige Laufbahn umschreiben. Zwei deutsche Herren-Titel sowie Siege und vordere Platzierungen bei European-Cup-Turnieren stehen in seiner Erfolgsliste, den großen Durchbruch hat er aber noch nicht geschafft. „Nach meinem Empfinden hatte ich beim bisherigen Bundestrainer zu selten die Chance bekommen, mich bei internationalen Wettkämpfen beweisen zu dürfen“, sagt der Masters-Student in München. Mit dem Olympioniken Tobias Englmaier (TSV Großhadern) hatte Deutschland lange eine unantastbare Nummer eins. „Tobi hat nach den Olympischen Spielen aufgehört. Jetzt sehe ich meine Zeit.“

„Ich bin die Nummer eins“

Der neue Bundestrainer Richard Trautmann zieht Graf öfters zu Trainingsmaßnahmen heran, so fuhr der Athlet im Dezember zu einem Trainingslager nach Japan. „Und wie es aussieht, darf ich im Februar beim Grand Slam in Paris und beim Grand Prix in Düsseldorf starten. Natürlich muss ich dort zeigen, dass er zurecht auf mich setzt.“ Die deutsche Meisterschaft am Wochenende, die rund 400 Athleten bei Männern und Frauen in der Walter-Schädlich-Halle sieht, dient als erste Positionsbestimmung. „Nach Silber im Vorjahr möchte ich heuer wieder mal den Titel“, gibt Graf die klare Zielsetzung aus. „Ich will untermauern, dass ich die Nummer eins der Nation bis 60 Kilogramm bin.“

 

Mit einer Sprunggelenksverletzung ist der 25-Jährige leicht gehandicapt. „Aber mit Tape und Bandagen kann ich ganz gut kämpfen. Ich brauche Wettkämpfe, um für die Herausforderungen im Februar gerüstet zu sein.“ Die Verletzung zog er sich vor zwei Wochen im Training zu. „Sie wird besser und sollte mich nicht behindern.“ Als Teil der Münchner TSV-WG mit Sebastian Seidl und Manuel Scheibel – beide treten in Duisburg nicht an – versucht Graf sein Studium und den Leistungssport in Einklang zu bringen. „Schon in der Früh trainiere ich, dann geht’s an die Uni und anschließend wieder ins Training. Lernen muss ich auch irgendwann.“ Nach einem Bachelor-Studiengang zum Architekten macht der Chamer nun den Master für „Energieeffizienz und nachhaltiges Bauen“. „Ich gehe jetzt ins letzte Semester, danach kann ich mich voll auf Judo konzentrieren.“ Dank der Unterstützung durch die Sporthilfe hat Graf sein Auskommen.

Fernziel ist Olympia 2020

Sich für die WM in Ungarn zu qualifizieren, steht beim Abensberger Athleten ganz oben auf dem Master-Plan. „Ich denke, dass ich es durchaus drauf habe. Ich brauche natürlich die entsprechenden Resultate bei großen Turnieren.“ Ohne Aufwärmphase geht es in die Spitzenwettkämpfe nach Paris und Düsseldorf. „Da muss ich voll da sein.“ Grafs Zielsetzung ist nicht nur auf das Jahr 2017 ausgelegt. „Ich habe auch die Olympischen Spiele 2020 in Tokio im Hinterkopf. Ich bin bereit, den harten Zyklus dafür zu gehen.“ Bei den deutschen Titelkämpfen in Duisburg hat Philip Graf einen Abensberger Teamkollegen an seiner Seite, klarerweise als Rivalen im Wettkampf. Der junge Daniel Scheller hat sich über verschiedene Qualifikationsturniere einen der begehrten Startplätze bei der Meisterschaft gesichert. „Wenn Daniel es schafft, sich in die zweite bis dritte Runde vorzukämpfen, wäre das ein riesen Erfolg für ihn“, sagt TSV-Cheftrainer Jürgen Öchsner. Für Graf wäre das zweifellos zu wenig.

Junge Dame vertritt den TSV

Der Abensberger 73 kg-Athlet David Krämer hat seine Verletzungspause überstanden und tritt mit einer Wildcard in Duisburg an. Mit guten Ergebnissen im Vorjahr und einigen Topplatzierungen bei wichtigen Turnieren hat er sich dafür empfohlen. Vorbereitet hat er sich im Trainingscamp in Mittersill, wo über 800 Spitzenathleten aus der ganzen Welt zu Gange waren.

Auch eine junge Dame vertritt den TSV heuer: Sarah Kappler aus Peiting tritt bei den Frauen bis 63 kg an. Sie studiert in Regensburg und wird von Öchsner betreut.

 

Live wird die DM auf http://sportdeutschland.tv/judo gezeigt.

Kategorien: News

ipponshop
logo-judo-bundesliga

Sponsoren

Hauptsponsoren

GewaltfreiesAbensberg

clip-006f67b6

1901192
Today
Yesterday
This Week
Last Week
This Month
Last Month
All days
46
5955
29889
1291080
88969
160775
1901192

Login Form