Aktien der Abensberger Judoka steigen

Der gehörlose Daniel Scheller und David Krämer stechen in der Bundesliga in Rüsselsheim. Bei Rückfahrt geht’s um die Börse.

Autor: Martin Rutrecht

Abensberg.Die Genugtuung war dem Rio-Olympioniken Marc Odenthal vom TSV Abensberg deutlich anzumerken. „Die Niederlage gegen Eduard Trippel im ersten Durchgang hat mich furchtbar geärgert. Im zweiten Duell gegen ihn habe ich die Verhältnisse gerade gerückt.“ Nach nur 30 Sekunden donnerte er seinen nationalen 90 kg-Widersacher auf die Matte. Die beiden Auftritte des TSV-Neuzugangs standen spiegelbildlich für den Verlauf des Bundesliga-Kampfs seiner Farben beim JC Rüsselsheim: Nach einem engen ersten Umlauf und einer nur knappen 4:3-Führung brachte der deutsche Rekordmeister dem Gastgeber noch ein 10:4 bei.

Mitverantwortlich für das identische Ergebnis wie zum Saisonstart daheim gegen JC Ettlingen waren zwei Abensberger Athleten, die man gerne als „zweiten Anzug“ deklariert. Zunächst sorgte David Krämer (73 kg) gegen Tobias Schirra, den der schon bei der deutschen Meisterschaft besiegt hatte, für den wichtigen 3:3-Ausgleich. Und im zweiten Durchgang behielt der 19-jährige, gehörlose Athlet Daniel Scheller (60 kg) in seinem erst zweiten Bundesliga-Einsatz die Oberhand gegen Ian Störmer.

Youngster bekommt das Vertrauen

„Es spricht für den Teamspirit, dass ein unerfahrener Mann trotz eines engen Zwischenstands das Vertrauen bekommt und es auch noch so zurückzahlt“, freute sich der arrivierte Odenthal mit dem Youngster. Die Vorlage ihres Teamkollegen veredelten Manuel Scheibel (66 kg) und er selbst zur siegbringenden 8:3-Führung.

Nach der Pause zeigten die Abensberger ihre gewohnte Dominanz. Im ersten Durchgang hatte Rüsselsheim noch bärenstark mitgehalten. Die Hausherren boten mit dem Georgier Tornike Nagliashvili und den Briten Owen Livesey und Benjamin Fletcher drei Legionäre auf. Zunächst schienen die Babonen ihrer Favoritenrollen uneingeschränkt gerecht zu werden. Der österreichische Olympionike Daniel Allerstorfer schickte Johannes Geis im Schwergewicht vorzeitig mit Ippon auf die Matte. Philip Graf (60 kg) benötigte nicht einmal eine halbe Minute gegen Störmer.

Doch dann entzauberte Junioren-Vizeeuropameister Nagliashvili den U23-Vizeeuropameister Scheibel, der einem Rückstand nach Wazaari vergeblich hinterher lief. Und Odenthal musste gegen Trippel, der ihn auch schon im Finale der deutschen Meisterschaft besiegt hatte, eine Niederlage hinnehmen. Dass es noch dazu ein Ippon (voller Punkt) war, befeuerte den Ärger des TSV-Recken. „Ich habe nicht gut gekämpft. Wie schon im deutschen Finale kam ich nicht gut rein.“

Judo kann auch Trost spenden

Als der Brite Fletcher, Grand-Prix-Fünfter in Düsseldorf, bis 100 kg auch Dominik Gerzer das Nachsehen gab, lag der Rekordmeister mit 2:3 zurück. Jetzt kam es auf David Krämer an. Gegen Schirra ging es in die Verlängerung, wo der 24-Jährige den ersten Angriff zum Sieg nutzte. „David ist neben Christopher Völk in dieser Gewichtsklasse eine absolute Bank geworden“, lobte Öchsner. Der Athlet aus Rötz hat, wie er erzählt, „viel von Chris gelernt“. Krämer schafft den Spagat zwischen Wirtschaftsstudium und Leistungssport. „Oft ist es schwer zu vereinbaren, zwei Mal pro Tag zu trainieren und gleichzeitig das Studium sauber durchzuziehen. Da ist große Disziplin gefragt. Gleichzeitig ist es wie ein zweites Standbein. Wenn es mal im Studium nicht wie gewünscht läuft, spendet mir der Judosport Trost.“

Voll auf Judo kann sich Benjamin Münnich (81 kg) konzentrieren. Der Neuzugang aus Köln stellte den 4:3-Pausenstand für den TSV her. Trainer Öchsner und Teammanager Fabian Seidlmeier tüftelten in der Kabine an der Formation für den zweiten Durchgang. Mit Sven Maresch (81 kg) und Völk wusste das Führungsduo zwei Asse im Ärmel. Man ging aber auch ins Risiko und bot Scheller statt Philip Graf auf. „Nur mit Personal aus dem eigen Stall bleiben wir glaubwürdig“, nahm Coach Öchsner die Verantwortung auf sich.

„Teamgeist macht den Erfolg aus“

Und Scheller dankte sie ihm. Zuvor hatte bereits der Österreicher Allerstorfer mit einer schönen Innensichel den Abensberger Express in die Spur gebracht. Der Beifall im TSV-Lager kannte kaum ein Ende, als Scheller dann seinen Kampf gewann. Dem gehörlosen Judoka hatte Öchsner in der längst eingeübten Zeichensprache mit Händen und Füßen den Weg gewiesen. Scheibel konnte sich nicht am Georgier revanchieren, da Rüsselsheim hier Kai Robin Lehberger einwechselte. Mit ihm hatte der Biburger kaum Mühe. Odenthal schickte seinen Widersacher Trippel auf die Bretter. „Der Erfolg war ganz wichtig für mich“, so der Olympionike, der am Montag mit dem deutschen Nationalteam zu einem dreiwöchigen Trainingslager nach Asien aufbrach.

Gerzer kam gegen den Briten Fletcher erneut nicht durch, aber Völk und Maresch schraubten das Resultat gegen Schirra sowie den Engländer Livesey auf 10:4. Einmal mehr stach der breite Kader der Babonen. Trainer Öchsner war sehr zufrieden mit seiner Mannschaft: „Heute hat man wieder gesehen, welches Potenzial in diesem Team und den einzelnen Kämpfern steckt.“ Teammanager Seidlmeier hob die geschlossene Unterstützung am Mattenrand bei jedem einzelnen Kampf hervor: „Genau dieser Teamgeist macht den Erfolg aus.“ Marc Odenthal pflichtete dem bei. „Nach nur kurzer Zeit fühle ich mich in dieser Truppe sehr wohl.“ Die Mischung aus Spitzenleuten und starken „Halbzeit-Kräften“ stimme.

Kategorien: News

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