Abensberg greift nach Europas Krone

Danke an die MZ!

TSV-Judoka kämpfen im Konzert der besten acht Klubs des Kontinents. Trotz Ausfällen heißt das Ziel: „Wir wollen siegen.“ Von Martin Rutrecht

Im „Führungsfahrzeug“, so Trainer Jürgen Öchsner, saß klarerweise Otto Kneitinger. Hinter dem Wagen des Judo-Machers tuckerten vier Kleinbusse mit dem Athleten-Aufgebot hinterher. In diesem Konvoi machte sich der TSV Abensberg am Donnerstag auf zum Judo-Europacup nach Grosny. Freilich hatten die Niederbayern nicht vor, bis nach Tschetschenien in dieser Kolonne zu reisen. Nur das erste Etappenziel führte den Pulk per vierrädrigem Untersatz nach Wien, von wo aus eine Chartermaschine der Europäischen Judo-Union (EJU) zum Austragungsort der Golden-League abhob. Am Samstag könnten die Babonen in Grosny ihren achten Titel im Vereinseuropacup holen.

„Wir fahren dorthin, weil wir gewinnen wollen“, sagt Chefcoach Öchsner klar. Im Vorjahr reichte es für Abensberg in Wien zum zweiten Platz. Auch heuer „wären wir mit einer Medaille hoch zufrieden“. Sollte sie golden glänzen, „wäre das ein Traum“. In der Judo-Königsklasse versammeln sich die besten acht Klubs Europas. Der TSV – der heuer nach seinem freiwilligen Rückzug erst wieder in die 1. Bundesliga aufstieg – hat sich dank seiner Vizewürde in 2015 erneut qualifiziert. Angeführt wird das Feld von Titelverteidiger Fighter Tiflis, flankiert von Abensberg sowie den Bronze-Gewinnern 2015, Yawara Newa St. Petersburg und Sporting Club de Portugal. Die übrigen vier Vereine hatten sich vor Jahresfrist in der Europa-League die Medaillen geholt und stiegen so in die Golden-League auf.

Sechs Athleten fehlen dem Team

Im Jahr der Olympischen Spiele von Rio steht das europäische Gipfeltreffen vor allem unter einer Frage: „Wie gut sind die Athleten nach den Spielen und der folgenden Auszeit drauf?“, so Öchsner. Dass es an hochkarätigen Judoka nicht mangelt, zeigt ein Blick auf die Namenslisten der Klubs: St. Petersburg hat insgesamt drei Olympiasieger an Bord, Vorjahreschampion Tiflis und die Portugiesen vertrauen jeweils auf einen Rio-Zweiten und WM-Medaillen-Gewinner. „Kurz gefasst: Jedes Team hat Weltklasse-Athleten in seinen Reihen“, wissen der TSV-Trainer und der neue Teammanager und Ex-Bundesliga-Judoka Fabian Seidlmeier. Im Abensberger Lager ist man von der Fitness und Stärke der eigenen Kempen überzeugt. Olympiasieger Ilias Iliadis bereitete sich in den letzten zehn Tagen beim TSV intensiv auf das Kräftemessen vor. Am Mittwoch traf der Olympia-Zweite Travis Stevens aus den USA in der Babonenstadt ein und präsentierte sich in einem Randori in guter Verfassung. Auch Rio-Olympiasieger Lukas Krpalek, der in Wien zum Tross stieß, will in Grosny seine Vormachtstellung zeigen. „Ich denke, wir können auf unsere Judoka zählen. Schon am Mittwoch, als die meisten in Abensberg eintrafen, hat sich dieser spezielle Teamspirit eingestellt. Ilias erheitert alle mit seinen Späßchen.“

Acht Spitzenteams

    • Teilnehmer:

      In der Sporthalle „Colosseum“ in Grosny treffen am Samstag bei Damen und Herren jeweils acht Teams aufeinander. Gesetzt sind die Medaillengewinner aus der Golden-League des Vorjahres, nämlich Fighter Tiflis (1.), TSV Abensberg (2.), Yawara Newa St. Petersburg und Sporting Clube de Portugal (jeweils 3.). Hinzu kommen die Aufsteiger aus der Europa-League von 2015, Sagaredjo FF Superstars, Shevardeni 2005 (beide Georgien), KBR Green Hill Nalchik und Edelweiss Grosny (beide Russland). Bei den Frauen ist aus Deutschland JSV Speyer am Start.

    •  
    • Ablauf:

      Um 10 Uhr (8 Uhr mitteleuropäischer Zeit) beginnen die Wettkämpfe mit den Viertelfinals. Abensberg trifft als gesetztes Team auf einen Europa-League-Aufsteiger, die Auslosung erfolgt am Freitag. Die Sieger stehen in der Vorschlussrunde, die Verlierer kämpfen über die Trostrunde um Bronze. Um 16 Uhr (14 Uhr unserer Zeit) stehen die Medaillenkämpfe bis hin zum Finale an.

    • Dieser Zusammenhalt wird auch nötig sein, um einige Ausfälle zum kompensieren. So muss Rio-Starter Sebastian Seidl wegen seiner Abschlussprüfung bei der Landespolizei passen, Sven Maresch und Dimitri Peters sind bei einem Lehrgang der Bundeswehr unabkömmlich. Wegen Verletzungen müssen die ausländischen Kräfte Orkhan Safarov (Aserbaidschan), Toma Nikiforov (Belgien) und der Olympia-Dritte Or Sasson (Brasilien) verzichten. „Das sind alles Leistungsträger, aber wir konzentrieren uns auf die zu Verfügung stehende Truppe und ihr Potenzial“, sagt Öchsner.

      In internationalen Teamwettkämpfen sind nur fünf Gewichtsklassen aufgerufen. Drei der fünf Duelle müssen mit heimischen Athleten besetzt sein. Bis 66 kg kann sich der frisch gebackene U23-Vize-Europameister Manuel Scheibel beweisen. Ihm zur Seite steht der Russe Robert Mshvidobadze, der direkt in Grosny zur Truppe stieß.

      Am Mittwoch noch in Japan

      Olympiastarter Igor Wandtke und Vorgänger Christopher Völk laufen neben dem Israeli Sagi Muki bis 73 kg auf. Rein deutsch besetzt ist die 81-kg-Klasse mit Dominic Ressel – zuletzt Grand-Slam-Zweiter in Tokio – und dem Neuzugang Benjamin Münnich („Ihm hat’s gleich gefallen bei uns“, so Öchsner). Ressel und Scheibel kehrten erst am Mittwoch von einem Trainingslager in Japan zurück. 

Bis 90 kg baut sich für den siebenfachen Europacup-Sieger Ausnahmekönner Iliadis aus Griechenland auf. Auch US-Boy Stevens und Marc Odenthal kämpfen in dieser Gewichtskategorie. Über 90 kg wird Abensberg von Olympiastarter André Breitbarth und Olympiasieger Krpalek aus Tschechien vertreten. „Wir müssen in jeder Begegnung drei Punkte holen, wir haben die erforderlichen Klasseleute dafür und setzen auf die eine oder andere positive Überraschung.“

Am Freitag lockern die TSV-Recken, die im Hotel „Grosny City“ einquartiert sind, ihre Glieder in einer Trainingshalle nochmals auf, ehe die Auslosung für die Golden-League am Samstag ansteht. „Eine freudige Anspannung ist da. Wir werden unser Bestes geben“, sagen Öchsner und Seidlmeier.

 

Der Europacup wird am Samstag ab 8 Uhr unserer Zeit im Livestream übertragen. Klicken Sie hier.

Kategorien: News

ipponshop
logo-judo-bundesliga

Hauptsponsoren

Sponsoren

GewaltfreiesAbensberg

clip-006f67b6

2096601
Today
Yesterday
This Week
Last Week
This Month
Last Month
All days
3305
3916
17762
1500710
58801
107849
2096601

Login Form