Heim-Grand-Prix stellt die Weichen für London

Maresch

Beim Top-Turnier in Düsseldorf mit elf Olympiasiegern und 21 Weltmeistern entscheidet sich für Abensbergs Judoka die Teilnahme an den Spielen.

 

von martin Rutrecht, MZ

 

 

Abensberg. Der Deutsche Judobund schwelgt vor dem Heim-Grand-Prix am Wochenende in Superlativen. „Das Turnier in Düsseldorf setzt neue Maßstäbe“, sagt Präsident Peter Frese. „Die sportliche Qualität sucht seinesgleichen.“ Man mag dem obersten Judoka der Nation nicht widersprechen: 677 Athleten aus 97 Staaten stehen bei Frauen und Männern auf der Matte. Darunter zu finden sind elf Olympiasieger und 21 Weltmeister. Die Mitsubishi Electric Halle dürfte mit etwa 4000 Besuchern ausverkauft sein.

Selbst der Karneval fehlt bei diesem Sportspektakel in der Jecken-Stadt nicht. So trägt Doppel-Vizeweltmeister Andreas Tölzer vom TSV Abensberg seit wenigen Tagen den Orden des Venetienclubs. Der Schwergewichtler hatte sich beklagt, dass er „als Kölner an Karneval leider in Düsseldorf kämpfen muss“. Die Narren der Gastgeber-Stadt spendeten mit der Auszeichnung Trost.

Ole Bischof „in sehr guter Form“

Zuspruch wird am Ende der Veranstaltung auch der eine oder andere DJB-Athlet brauchen. Denn im eigenen Land entscheidet sich, wer im Sommer zu den Olympischen Spielern darf. Nach dem Grand Prix in Düsseldorf machen die großen Turnierserien bis zur EM im April Pause. Die Europameisterschaft wird als Qualifikationsnorm noch mitgenommen. Allerdings sind die aktuellen London-Kandidaten so weit voraus, dass ihre (nationalen) Herausforderer bei beiden Konkurrenzen punkten müssen.

Im Rennen der beiden TSV-Judoka Ole Bischof und Sven Maresch in der 81kg-Klasse schlägt das Pendel nach dem Grand-Slam-Triumph des Olympiasiegers in Paris klar in Richtung von Bischof aus. Er ist Weltranglisten-Vierter und hat fast 250 Zähler Vorsprung auf Maresch, der den Peking-Helden selbst bei Platz eins in Düsseldorf (200 Punkte) nicht einholen würde. Er müsste bei der EM (180 P. für Gold) ebenfalls weit vorne landen. Der dazwischen liegende Worldcup in Prag bringt nicht wirklich große Zählerernte ein.

Das letzte Wort hat der Bundestrainer. Nur einer der beiden kann aufgrund der Nationenregelung (nur ein Vertreter) fahren. Einen im Ranking besser postierten Olympiasieger zugunsten eines jungen Kronprinzen zuhause zu lassen, wird sich der Chefcoach nicht leisten können. Der erstarkte Olympiasieger sagt: „Ich fühle mich zurzeit in sehr guter Form.“ Wie immer es ausgeht – ein Abensberger Athlet ist’s auf jeden Fall.

Der Regensburger TSV-Recke Christopher Völk (bis 73 kg) kann am Rhein wie Bischof den Sack zumachen. Er steht auf Rang 14 im Worldranking, hat keinen deutschen Konkurrenten zu fürchten und hätte mit ein paar Zählern in Düsseldorf auch die internationalen Herausforderer – die besten 22 Judoka der Weltrangliste fahren nach London (aus jeder Nation aber nur einer) – aus dem Feld geschlagen. Völk hat seine Ausgangslage in Paris mit einem zweiten Platz entscheidend verbessert.

Pförringer atmet große Turnierluft

Fast identisch nimmt sich die Situation bei Halbschwergewichtler Dimitri Peters aus. Er hat sich durch die Weltcup-Siege in Österreich und Georgien auf Platz 16 der Welt vorgearbeitet. Der 100 kg-Kämpfer spürt in Benjamin Behrla einen deutschen Kontrahenten im Nacken, der aber am Wochenende mindestens Zweiter werden müsste, will er Peters noch erhaschen. Da gilt auch für die internationalen Verfolger, die Richtung Top 22 streben.

Für den Pförringer Sebastian Seidl (66 kg) ist allein die Nominierung für den Grand Prix eine große Auszeichnung. Der Sportsoldat kann die Atmosphäre vor 4000 Fans unbeschwert genießen. Für Olympia kommt er nicht in Frage; die dafür erforderlichen Ergebnisse kann der 21-Jährige zumindest für 2012 noch nicht vorweisen. Der Deutsche Einzelmeister wird sich nach Rang sieben beim Worldcup in Oberwart erneut gegen Spitzenjudoka ins Zeug legen.

Aus der Abensberger Bundesliga-Staffel ist zudem Yannick Gutsche (bis 90 kg) dabei. Wie für Seidl ist es auch bei ihm für Olympia-Ambitionen noch zu früh. Im Düsseldorfer Teilnehmerfeld stehen selbstredend auch TSV-Legionäre, allen voran der Grieche Ilias Iliadis (bis 90 kg), Olympiasieger von 2004 und Doppel-Weltmeister, der als einer der Superstars angekündigt wird.

Große Namen sind auch der dreimalige Weltmeister Alexander Mikhaylin aus Russland sowie der japanische Olympiasieger Keiji Suzuki. Beide kämpfen im Schwergewicht, könnten also zu Gegnern für Andy Tölzer werden. Gegen den Asiaten feierte der längst qualifizierte London-Starter im Vorjahr den Finalsieg in Düsseldorf.

Die Wettkämpfe beginnen am Wochenende jeweils um 8.30 Uhr. Gegen 17 Uhr fallen die Entscheidungen um die Podestplätze. Der Internetsender „spobox.tv“ überträgt den Grand Prix live. Im Anschluss an das Turnier findet ein internationales Trainingscamp statt – mit vielleicht neuen Olympia-Reisenden aus dem TSV Abensberg.

ipponshop
logo-judo-bundesliga

Sponsoren

Hauptsponsoren

GewaltfreiesAbensberg

clip-006f67b6

1647283
Today
Yesterday
This Week
Last Week
This Month
Last Month
All days
592
4836
30631
1038102
127863
141662
1647283

Login Form